Monatsarchive: Oktober 2011

Schakirin-Moschee (Şakirin Camii) in Istanbul

Istanbul ist modern – in Istanbul werden die Trends der Türkei gesetzt. Dennoch war es Mitte 2009 recht erstaunlich, dass im asiatischen, etwas konservativen Stadtteil Üsküdar eine Moschee eröffnet wurde, die durch ihre moderne Architektur auffällt – die Schakirin-Moschee (Şakirin Camii). Darüber hinaus gilt sie als erste Moschee, deren Innenarchitektur von einer Frau entworfen wurde.

Nicht nur die Tatsache, dass die Innenarchitektin Zeynep Fadıllıoğlu eine Frau ist, sondern auch dass man ihren Namen mit schicken Bars verbindet, die sie gestaltet hat, stieß vor allem bei konservativen Journalisten wenig auf Begeisterung. Als Krönung ließ sich die Innenarchitektin dann auch noch ohne Verhüllung in der Moschee fotografieren. Da half es kaum, dass Fadıllıoğlu bei der Gestaltung eng mit Islamwissenschaftlern zusammen arbeitete.

Die Schakirin-Moschee liegt am Rand des größten Friedhofgeländes Karacaahmet. Ihre zwei Minarette sind schon aus der Ferne zu sehen, die insgesamt noch die größte Ähnlichkeit mit klassischen Moscheen Istanbuls haben. Denn der Architekt Hüsrev Tayla gestaltete die moderne Moschee nicht unbedingt wie man es schon zahlreiche Male gesehen hat. Die Kuppel ist an den Ecken weit nach unten gezogen und die Anlage um die Moschee auf dem 10.000 Quadratmeter großem Grundstück ebenfalls modern gehalten. Der Brunnen im Innenhof hat eine glänzende Halbkugel und die verschnörkelte Metallstruktur bricht das Licht zu formschönen Schatten.
Auch im Inneren ist alles etwas anders: die Wände bestehen größtenteils aus Glas, sodass der Gebetsraum, der bis zu 350 Gläubige fasst, von Tageslicht und Sonne durchflutet wird. Die knalligen Farben und schwunghaften Formen springen ins Auge und mit viel Liebe zum Detail hat Zeynep Fadıllıoğlu – typisch Frau eben – alle Einzelteile ausgestaltet.

Weitere Impressionen aus Istanbul sind hier zu finden

Würzburg: Skyline zahlreicher Kirchtürme

Wer seinen Blick von der Festung Marienberg auf die Altstadt Würzburgs schweifen lässt, wird zahlreiche Kirchtürme erblicken. Selbst bei einer groben Zählweise kommt man locker auf 15 Türme ohne den Blick weit schweifen lassen zu müssen: Die wohl bekanntesten Gotteshäuser der bayerischen Stadt am Main dürften der romanische Dom St. Kilian, das Neumünster und die Kirche St. Burkard sein. Doch Würzburg hat noch mehr zu bieten: Zum Beispiel das sehenswerte UNESCO-Weltkulturerbe „Residenz“ und die Festung Marienberg.

Obwohl ersteres lediglich der Sitz der Würzburger Fürstbischöfe war und in dem barocken Bau nie ein Kaiser oder König residierte, sind die Räumlichkeiten an Prunk kaum zu übertreffen. Bei einer öffentlichen Führung, die im Eintrittspreis enthalten ist, gelangen die Besucher in die Gemächer der damaligen Bewohner. Von schlichteren Empfangszimmern steigern sich die Räume bis hin zum Spiegelsaal, der seinem Namen alle Ehre macht.
Was die Besucher heute hier sehen ist jedoch ein Werk der Restauratoren: Nach der Zerstörung im Bombenangriff im 2. Weltkrieg auf Würzburg am 16. März 1945 wurden zahlreiche Räume nach dem Vorbild des Originals wieder hergestellt.

Nach soviel Kultur sollten sich die Besucher nicht den Weg zur Alten Mainbrücke sparen. Vor allem bei herrlichem Wetter quillt der Brückkopf auf der rechten Mainseite fast über. Das Lokal „Alte Mainmühle“ lockt Einheimische und Besucher in Scharen an. Der Straßenverkauf bietet lokale Franken-Weine wie Silvaner und Bacchus an. Und so stehen die Weintrinker links und rechts am Brückengeländer und genießen die Tropfen.

Bildband: „Istanbul – Eine Stadt, die Geschichten erzählt“

Die Fotografen Stefan Dietrich und Felix Katzsch präsentieren in ihrem Bildband „Istanbul – Eine Stadt, die Geschichten erzählt“ Fotografien von ihren vier Reisen nach Istanbul zwischen 2006 und 2011. „Istanbul ist eine Stadt, die Geschichten erzählt – auch ohne Worte“, sind sich die beiden Fotografen einig. Daher zeigen in diesem Buch lediglich Fotos die unterschiedlichen Facetten der Metropole am Bosporus.

Das vierfarbige Fotobuch ist auf mattem Premiumpapier gedruckt und im Quer-Format (25 x 20cm) für 64,99 Euro (zzgl. Versandkosten) online erhältlich.

Hier den Bildband „Istanbul – Eine Stadt, die Geschichten erzählt“ anschauen und bestellen:

Von Stefan Dietrich un…

Weinreise: Im Rheingau von Bingen am Rhein bis Eltville

Streng genommen gilt Bingen am Rhein schon nicht mehr zum Rheingau, das sich rechtsrheinisch erstreckt. Von Walluf bis Lorchhausen zieht sich der Landstrich von den Höhen des Taunushauptkammes bis zum Rhein. Hier bildet das Rheingau an einem etwa 30 Kilometer langen Stücks des nach Westen fließenden Rheins einen Südhang der vor allem durch seinen Weinbau und zahlreiche Sehenswürdigkeiten bekannt ist.

Von der Burg Klopp in Bingen bietet sich ein guter Blick über den Rhein Richtung Rüdesheim und damit über die Weinberge des Rheingaus. Nach einem kurzen Stadtbummel ohne weitere größere Highlights in Bingen verlassen wir Rheinlad-Pfalz und setzen mit der Autofähre nach Hessen über und landen in Rüdesheim. Wer Rüdesheim nicht kennt, sollte sich in das Getümmel der Touristenstadt stürzen und mindestens einmal die Drosselgasse entlang laufen.

Für alle anderen empfiehlt sich eine kurze Wanderung durch die Weinberge des Rheingaus zur Benediktinerinnenabtei St. Hildegard wurde. Natürlich sind die Schwestern der Abtei auch mit dem Auto zu erreichen. Hoch über Rüdesheim thront die um 1900 im neo-romanischen Stil erbaute Abtei, wo noch heute 52 Schwestern aus vier Generationen und sechs Nationen wie alle Benediktinerinnen nach der 1.500 Jahre alten Ordensregel des hl. Benedikts leben. Wie kann es im Rheingau anders sein, erarbeitet sich die Gemeinschaft ihren Lebensunterhalt natürlich auch mit dem Weinbau. Über 7 ha Rebfläche gehören zur Abtei, die zu 83 Prozent mit Riesling und dem Rest Spätburgunder bepflanzt sind. Aus dem Ertrag des doch recht kleinen Kloster-Anbaugebiets produzieren die Schwestern jährlich etwa 45.000 Flaschen. Verkauft wird der Wein im Klosterladen und über das Internet, wie uns stolz eine Schwester berichtet. Die Begeisterung der Benediktinerinnen für ihren Wein spüren wir auch während unseres weiteren Rundgangs durch die „Weinabteilung“ des Klosterladens. Fast vorwurfsvoll, warum wir noch nicht an der Probiertheke stehen, flüstert es hinter uns: „Sie wissen schon, dass Sie bei uns probieren können?!“. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und verkosten den 2010er „Abtei St. Hildegard“ Riesling, trocken, vom Klosterberg. Schnell tischt die Schwester sechs, sieben weitere Weine auf und wir verlieren so langsam den Überblick, welcher bereits über unsere Zungen und durch unsere Kehlen geflossen ist. Am Ende entscheiden wir uns für einen 2009er Riesling trocken vom Klosterberg und einen 2010er Riesling von mehreren Weinbergen des Rheingaus, die die Winzer-Schwestern bewirtschaften. Trotz der großen Gastfreundschaft ziehen wir weiter – aber nicht ohne der beeindruckenden Kirche einen Besuch abzustatten.

„Alle Gäste sollen im Kloster wie Christus aufgenommen werden.“ (Benediktusregel, Kp. 53)

Unsere Fahrt führt uns Richtung Eltville – den Rhein aufwärts – zum Kloster Eberbach. Bereits 1803 wurde das ehemalige Zisterzienserkloster nahe Eltville säkularisiert. Unter anderem ist diesem Niedergang es zu verdanken, dass hier im Winter 1985/86 fast alle Innenaufnahmen zum Film „Der Name der Rose“ gedreht werden konnten. Über 300 ehemalige Klöster hatten die Filmemacher damals angeschaut, bevor die Wahl auf Eberbach fiel. Damit wurde das Kloster in dem deutsch-französisch-italienischen Filmdrama nach dem gleichnamigen Buch von Umberto Eco unter der Regie von Jean-Jacques Annaud die Bühne für Schauspieler wie Sean Connery, Christian Slater und Helmut Qualtinger.

Bekannt ist das Kloster darüber hinaus für seine Weinbau-Tradition der Eberbacher Mönche. Die Abtei ging 1803 nach der Säkularisation als Weinbaudomäne in staatliches Eigentum über. Heute wird der Weinbau wird durch die Hessischen Staatsweingüter GmbH Kloster Eberbach weitergeführt, die in dem Wein- und Naturerlebnis am Steinberg mit dem Steinbergkeller nicht nur den Architekturpreis 2010 gewann sondern auch einen hoch modernen Weinkeller besitzt. In einer weitgehend unterirdischen 5.000 Quadratmeter großen Kelleranlage vinifizieren die Hessischen Staatsweingüter Kloster Eberbach Weine besonderer Güte.

Altweibersommer in Dresden

Am ersten Oktoberwochenende zeigte sich der Altweibersommer in Dresden von seiner besten Seite. Bei bis zu 24 Grad Celsius erkundete Fotoreflex.de die Dresdner Altstadt, kletterte auf den Hausmannsturm des Residenzschlosses und bestieg die Frauenkirche.

Ein Besuch der sich lohnt: Historisches Grünes Gewölbe in Dresden

Bernstein, Elfenbein, Edelsteingefäße und kunstvolle Bronzestatuetten soweit das Auge reicht: Das Historische Grüne Gewölbe im Dresdner Residenzschloss versetzt Besucher in die Zeit August des Starken, sächsischer Kurfürst sowie polnischer König, und zeigt, was barocke Repräsentationsarchitektur bedeutet: Neben den beeindruckenden und prunkvoll ausgestalteten Räumen sind etwa 3.000 Meisterwerke der Juwelier- und Goldschmiedekunst ausgestellt. Seit fünf Jahren können Besucher sich wieder auf den 2.000 m² im Erdgeschoss des Westflügels des Dresdner Residenzschlosses den dramaturgisch angelegte Rundgang durch neun Räume hingeben, der seinen Höhepunkt in dem Juwelenzimmer findet.

Besucher treffen dort unter anderem auf eines der wohl bekanntesten Ausstellungsstücke: der Mohr mit Smaragdstufe (Foto der Eintrittkarte). Die Skulptur wurde in Zusammenarbeit mit Balthasar Permoser geschaffen. Die etwa 64 cm hohe Figur besteht aus lackiertem Birnbaumholz, die mit Smaragden, Rubinen, Saphiren und vielem mehr geschmückt ist. Wer glaubt, darin schon den eigentlich Wert entdeckt zu haben, täuscht. Der Mohr hält auf dem Tablett vor sich eine Smaragdstufe, die eine Erdplatte beschreibt, in der die Smaragde stecken. Abschließend verrät der Audioguide den Besuchern, dass der Mohr (also ein Afrikaner) in Wirklichkeit ein Indianer sein soll, wie man an dem indianischen Körperschmuck erkennen kann.

Mit der Schatzkammer verwirklichte August der Starke von 1723 bis 1730 seine Vision vom barocken Gesamtkunstwerk, um den Reichtum und die absolutistische Macht auszudrücken. Er präsentierte damals seine Schätze einer ausgewählten Öffentlichkeit und begründete damit eines der ältesten Museen Europas. Bei der Bombardierung Dresdens im 2. Weltkrieg 1945 fielen drei der neun Räume größtenteils zum Opfer. Seit Abschluss der Rekonstruierung im September 2006 sind die Räume und Ausstellungsstücke für die Öffentlichkeit wieder zugänglich.

Wer sich dieses prunkvoll Spektakel selbst vor Augen führen möchte, benötigt ein Zeitticket, das online bestellt werden kann. Der Eintritt kostet 12 Euro für Erwachsene (inkl. Audioguide) oder 19,50 Euro als Kombiticket für das Historische Grüne Gewölbe und das Dresdner Residenzschloss.

Eintrittskarte Historisches Grünes Gewölbe in Dresden
Fotografieren ist im Historischen Grünen Gewölbe nicht gestattet, deshalb muss das Foto der Eintrittskarte zur Illustration genügen.

Eingang zum Historischen Grünen Gewölbe
Eingang zum Historischen Grünen Gewölbe.