Weinreise: Im Rheingau von Bingen am Rhein bis Eltville

Streng genommen gilt Bingen am Rhein schon nicht mehr zum Rheingau, das sich rechtsrheinisch erstreckt. Von Walluf bis Lorchhausen zieht sich der Landstrich von den Höhen des Taunushauptkammes bis zum Rhein. Hier bildet das Rheingau an einem etwa 30 Kilometer langen Stücks des nach Westen fließenden Rheins einen Südhang der vor allem durch seinen Weinbau und zahlreiche Sehenswürdigkeiten bekannt ist.

Von der Burg Klopp in Bingen bietet sich ein guter Blick über den Rhein Richtung Rüdesheim und damit über die Weinberge des Rheingaus. Nach einem kurzen Stadtbummel ohne weitere größere Highlights in Bingen verlassen wir Rheinlad-Pfalz und setzen mit der Autofähre nach Hessen über und landen in Rüdesheim. Wer Rüdesheim nicht kennt, sollte sich in das Getümmel der Touristenstadt stürzen und mindestens einmal die Drosselgasse entlang laufen.

Für alle anderen empfiehlt sich eine kurze Wanderung durch die Weinberge des Rheingaus zur Benediktinerinnenabtei St. Hildegard wurde. Natürlich sind die Schwestern der Abtei auch mit dem Auto zu erreichen. Hoch über Rüdesheim thront die um 1900 im neo-romanischen Stil erbaute Abtei, wo noch heute 52 Schwestern aus vier Generationen und sechs Nationen wie alle Benediktinerinnen nach der 1.500 Jahre alten Ordensregel des hl. Benedikts leben. Wie kann es im Rheingau anders sein, erarbeitet sich die Gemeinschaft ihren Lebensunterhalt natürlich auch mit dem Weinbau. Über 7 ha Rebfläche gehören zur Abtei, die zu 83 Prozent mit Riesling und dem Rest Spätburgunder bepflanzt sind. Aus dem Ertrag des doch recht kleinen Kloster-Anbaugebiets produzieren die Schwestern jährlich etwa 45.000 Flaschen. Verkauft wird der Wein im Klosterladen und über das Internet, wie uns stolz eine Schwester berichtet. Die Begeisterung der Benediktinerinnen für ihren Wein spüren wir auch während unseres weiteren Rundgangs durch die „Weinabteilung“ des Klosterladens. Fast vorwurfsvoll, warum wir noch nicht an der Probiertheke stehen, flüstert es hinter uns: „Sie wissen schon, dass Sie bei uns probieren können?!“. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und verkosten den 2010er „Abtei St. Hildegard“ Riesling, trocken, vom Klosterberg. Schnell tischt die Schwester sechs, sieben weitere Weine auf und wir verlieren so langsam den Überblick, welcher bereits über unsere Zungen und durch unsere Kehlen geflossen ist. Am Ende entscheiden wir uns für einen 2009er Riesling trocken vom Klosterberg und einen 2010er Riesling von mehreren Weinbergen des Rheingaus, die die Winzer-Schwestern bewirtschaften. Trotz der großen Gastfreundschaft ziehen wir weiter – aber nicht ohne der beeindruckenden Kirche einen Besuch abzustatten.

„Alle Gäste sollen im Kloster wie Christus aufgenommen werden.“ (Benediktusregel, Kp. 53)

Unsere Fahrt führt uns Richtung Eltville – den Rhein aufwärts – zum Kloster Eberbach. Bereits 1803 wurde das ehemalige Zisterzienserkloster nahe Eltville säkularisiert. Unter anderem ist diesem Niedergang es zu verdanken, dass hier im Winter 1985/86 fast alle Innenaufnahmen zum Film „Der Name der Rose“ gedreht werden konnten. Über 300 ehemalige Klöster hatten die Filmemacher damals angeschaut, bevor die Wahl auf Eberbach fiel. Damit wurde das Kloster in dem deutsch-französisch-italienischen Filmdrama nach dem gleichnamigen Buch von Umberto Eco unter der Regie von Jean-Jacques Annaud die Bühne für Schauspieler wie Sean Connery, Christian Slater und Helmut Qualtinger.

Bekannt ist das Kloster darüber hinaus für seine Weinbau-Tradition der Eberbacher Mönche. Die Abtei ging 1803 nach der Säkularisation als Weinbaudomäne in staatliches Eigentum über. Heute wird der Weinbau wird durch die Hessischen Staatsweingüter GmbH Kloster Eberbach weitergeführt, die in dem Wein- und Naturerlebnis am Steinberg mit dem Steinbergkeller nicht nur den Architekturpreis 2010 gewann sondern auch einen hoch modernen Weinkeller besitzt. In einer weitgehend unterirdischen 5.000 Quadratmeter großen Kelleranlage vinifizieren die Hessischen Staatsweingüter Kloster Eberbach Weine besonderer Güte.

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