Monatsarchive: Juni 2012

Uniformen verändern Personen: Bildband „Kleider machen Leute“ von Herlinde Koelbl

Herlinde-Koelbl: Kleider machen LeuteWie verändern sich die Körperhaltung, der Gesichtsausdruck und der Mensch als Ganzes, wenn er sich nicht in seiner Freizeitkleidung unter vielen Gleichen befindet? Gibt ihm eine Berufskleidung Körperspannung, eine freundlichere oder ernstere Mimik und wenn ja, wer steckt hinter diesen Fassaden? Dieser Frage nimmt sich der kürzlich erschienene Bildband „Kleider machen Leute“ von Herlinde Koelbl an.

Sie ist eine „große Fotografin“, wie Peter Raue im Vorwort des Fotobuches „Kleider machen Leute“ hervorhebt. Groß ist auch das Projekt, an dem sie vier Jahre arbeitete und Menschen – hauptsächlich aus Deutschland aber auch wenigen anderen Ländern – in ihrer Berufskleidung und in ihrer Freizeitkleidung portraitierte. Damit der Fokus auf den Personen liegt, entschied sich Koelbl entgegen vorheriger Projekte, die Personen von jeglicher Umgebung abgeschottet zu fotografieren – vor neutralem Hintergrund. Bis auf wenige Aufnahmen ist es ein grauer Studiohintergrund, der aber perfekt geeignet scheint. Sicher: technisch einwandfrei sind die Fotos, wenn auch nicht von sonderlich hoher Kreativität, aber darauf kommt es bei diesem Projekt nicht an. Vielmehr sind es die Personen, die sich frei vor der Kamera präsentieren durften und die Fähigkeit der Fotografin, den Menschen den benötigten Spielraum zu geben: Da ist Bischof Gerhard Ludwig Müller, der sein Priestergewand in der Freizeit gegen einen Trainingsanzug tauscht oder der Generalinspekteur der Luftwaffe Klaus-Peter Stieglitz, der seine Flugzeugführerschwingen an der Uniform mit Stolz trägt, auch privat auf sein Äußeres viel Wert legt und sich zwei bis drei Mal am Tag umzieht.

Doch findet man Uniformen nur beim Militär, in Kirchenämtern oder im Hotelwesen? Bei Weitem nicht – das belegt „Kleider machen Leute“. Dennoch ist der Fotoband mehr als eine Gegenüberstellung zweier Fotos in privater und beruflicher Kleidung. Es ist Dank der begleitenden, kurzen Texte von und über die abgelichteten Personen auch ein Blick hinter die Kulisse auf das Wesen der Person. Dieses Konzept wird perfekt in Szene gesetzt durch die Dramaturgie im Buchaufbau: Mal eröffnet Koelbl die Vorstellung der Person mit einer Detailaufnahme von der Uniform, mal soll nur der begleitende Text Neugier stiften und ein anderes mal provoziert die Fotografin mit einem unscheinbaren Menschen, der in seiner Uniform scheinbar über sich hinauswächst. So findet der Leser und Betrachter auf den gut 200 Seiten immer wieder eine Überraschung und der Bildband bleibt kurzweilig, interessant und spannend. Vor allem regt das Buch zur Nachdenklichkeit an, wenn beispielsweise der Bergmann Milan Dirk Pajonkowski berichtet, dass er sich nicht auf die in vier Jahren bevorstehende Rente freut – kein Wunder, wenn die Bergbau-Kumpels seine Familie sind und er selbst im Urlaub um vier Uhr in die Zeche zum Duschen geht und privat die Krawatte mit dem Unternehmenslogo trägt.

„Kleider machen Leute“ aus dem Hatje Cantz Verlag ist ein grandioser Bildband, der nicht nur wegen seiner hochwertigen Verarbeitung und des guten Drucks seine knapp 40 Euro auf jeden Fall Wert ist!

Die Ausstellung zum Bildband ist bis zum 29. Juli im Deutschen Hygiene-Museum Dresden zu sehen.

Herlinde-Koelbl: Kleider machen Leute, Bischof Gerhard Ludwig Müller

Bischof Gerhard Ludwig Müller


Herlinde-Koelbl: Kleider machen Leute, Generalinspekteur der Luftwaffe Klaus Peter Stieglitz

Generalinspekteur der Luftwaffe Klaus Peter Stieglitz

Herlinde-Koelbl: Kleider machen Leute, Bergmann Milan Dirk Pajonkowski

Bergmann Milan Dirk Pajonkowski

Update #5: Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt

Der Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB) im Frankfurter Ostend ragt bereits etwa 140 Meter in die Höhe. Darüber hinaus zieren die ersten Fassadenelemente die beiden Doppeltürme. Auch im Umfeld der ehemaligen Großmarkthalle geht es voran: So feierte die neue Mainbrücke letzte Woche Richtfest und die Straßenzufahrten zum neuen EZB-Gelände am Osthafen nehmen Gestalt an.

Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB)

Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB)

Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB)

Update vom 25. März 2012

Zitadelle von Bitche

Fährt man von Zweibrücken nach Süden in Richtung Frankreich und weiter in die Stadt Bitche, kommt lange Zeit nichts, dann Wald und schließlich fährt man über eine Bundesstraße den Hang hinab in einen Kessel. Dort liegt die französische Kleinstadt, die kaum mehr als 5.000 Einwohner zu bieten hat. Aber der Blick in den Kessel und auf die im Zentrum liegende Zitadelle ist beeindruckend. Fast surreal wirkt die Szenerie – wie eine Fata Morgana am Horizont. Doch die Zitadelle von Bitche gibt es wirklich. Sie ist gelegen auf einem etwa 350 Meter langen und 30 bis 60 Meter breiten Sandsteinplateau. Dabei überragt sie die Stadt um etwa 80 Meter.

Mit einer Audioguide-Tour lässt sich die monumentale Festung erobern. Etwa eine Stunde dauert der Gang durch 200 Meter der Festungsgänge und dabei bekommen die Besucher acht Videos mit der Geschichte der Zitadelle auf Leinwänden und Monitoren präsentiert. Aber Achtung: Sommer wie Winter liegt die Temperatur hier bei etwa 13 Grad Celsius.

Saarschleife vom Aussichtspunkt Cloef

Wer schon einmal durch das Saarland gefahren ist, weiß, dass es dem Bundesland nicht an Wald und Wiesen mangelt. Dazwischen schlängelt sich die Saar. Doch wer hätte gedacht, dass das kleinste Flächenland Deutschlands ein so beeindruckendes Naturwahrzeichen wie die Saarschleife bei Mettlach beherbergt?! Die bekannteste Aussicht haben Naturfreunde von der 180 Meter über dem Fluss gelegene Aussichtsplattform Cloef im Mettlacher Ortsteil Orscholz.

Saarschleife (auch Große Saarschleife bei Mettlach) gesehen von dem 180 m hoch über dem Fluss gelegene Aussichtspunkt Cloef im Mettlacher Ortsteil Orscholz

Saarschleife (auch Große Saarschleife bei Mettlach) gesehen von dem 180 m hoch über dem Fluss gelegene Aussichtspunkt Cloef im Mettlacher Ortsteil Orscholz