Monatsarchive: Juli 2012

Stern Fotografie 68: Steve McCurry

Stern Fotografie, Nr. 68, Steve-McCurryAfghanistan, Tibet, China, Jemen, Indien und viele weitere Länder sind das Zuhause von Steve McCurry. Er wählte den Beruf des Fotografen, um ihn mit seiner Reiseleidenschaft zu kombinieren. Er liebt das unorganisierte Leben auf den Straßen fremder Länder und hält es in packenden und farbenfrohen Fotografien fest. In seiner Heimat Philadelphia findet er nicht die Bilder, die er sucht, und so zieht es ihn immer wieder hinaus – meist Richtung Asien.

Und zuletzt unter anderem dafür, um den letzten Kodachrome Film zu verschießen. Die Ausstellung zu „Last Roll of Kodachrome“ konnte ich vergangenes Jahr im Museum „Istanbul Modern“ bewundern und seitdem packte mich McCurry.

Bei einem Auftrag für das US-Magazin „National Geographic“ gelang 1984 dem Fotografen, der zwei Jahre später Mitglied der Fotografenagentur Magnum wurde, ein beindruckendes Lichtbild: Er fotografierte in einem als Klassenzimmer fungierendem Zelt in einem Flüchtlingscamp bei Peschawar ein afghanisches Mädchen. Wie er hinterher feststellte, stach es gegenüber den anderen Mädchen hervor: ihre packenden grünen Augen in einem Gesicht, das alles über das Leben der Flüchtlinge erzählte. Das Bild gehört seitdem zu einem der meistveröffentlichten der Welt.

Kein Wunder das damit auf der zweiten Seite auch die aktuelle Ausgabe von „Stern Fotografie – Nr. 68“ eröffnet, die sich den Werken von Steve McCurry widmet. Vielmehr ist es ein Wunder, dass die Klammer am Ende des Heftes nicht geschlossen wird, indem das 17 Jahre später entstandene Foto gedruckt wurde, das das einstigen Flüchtlingsmädchen Sharbat Gula als mittlerweile erwachsenen Frau zeigt.

Die Redakteure von „Stern Fotografie“ wählten stattdessen eine bunte Auswahl aus dem Portfolio des Fotografen. „Bunt“ trifft es ganz gut, denn die Großformatigen Drucke geben die expressiven Farben McCurrys Fotos sehr gut wieder. Hohe Kontraste, spannende Bildmotive, feines Korn und exzellente Bildgestaltung zeichnen die Fotografien aus, die sich auf Portraits und Reportagen konzentrieren. Auch wenn die Stern-Redakteure in den wenigen begleitenden Texten versuchen, das Wirken und Schaffen McCurrys zu würdigen, wirkt sich die Begeisterung der Autoren – die ich gerne teile – nicht unbedingt auf die konzeptionelle Gestaltung von „Stern Fotografie“ aus. Viel mehr wirken die Fotos aneinander gereiht, bevor am Ende des Heftes eine interessante Vita des Fotografens zu Zuge kommt.

Dennoch: die aktuelle Ausgabe „Stern Fotografie – Nr. 68“ ist insgesamt ein lohnenswertes Heft, dessen knapp 20 Euro gut investiert sind!

Stern Fotografie, Nr. 68, Steve McCurry

Bildband „Atomkraft“ von Thorsten Klapsch

"Atomkraft" von Thorsten KlapschAn einem Badesee liegen Menschen entspannt und lassen sich auf ihren Bauch die Sonne scheinen – die Energie der Natur. Im Hintergrund ragt das Atomkraftwerk Biblis hervor – völlig unscheinbar und weit entfernt. Die Kernenergie ist auf dem Foto von Thorsten Klapsch dennoch nahe: Hochspannungsleitungen führen den erzeugten Strom vorbei an der Badesee-Szenerie. Mit diesem Foto eröffnet der Darmstädter Fotografen seinen neuen Bildband „Atomkraft“ und beginnt eine Reise in bisher stets verschlossene Gelände und Räumlichkeiten: nämlich in die Atomkraftwerke Deutschlands.
„Atomkraft“ ist nicht nur in dem Fotobuch von Klapsch präsent, sondern auch in der öffentlichen Wahrnehmung. Seit der Energiewende in Deutschland hätte der Fotograf nie die Genehmigungen für die Fotoarbeiten erhalten. Doch vor der Fukushima-Katastrophe im März 2011 ließen sich die Betreiber glücklicherweise dazu hinreißen, sonst wären diese eindrucksvollen Lichtbilder nie entstanden.

In seinem Buch führt Klapsch den Betrachter langsam von den „Atomkraftwerken im Einklang mit der Natur“ hin zu den Geländen und schließlich in das Innerste der gehüteten Geheimnisse. Auf den Betrachter warten nostalgische Innenarchitektur der Verwaltungsräumlichkeiten sowie hochmoderne Technik in den Schaltzentralen und Reaktorgebäuden. Distanziert und menschenleer zeigt Klapsch die deutschen Atomkraftwerke, wenngleich er auf persönliche Details nicht verzichtet: Er fotografierte unter anderem Kleiderspinte, das Mittagessen in einer Kantine und die persönlichen Dosimeter der Mitarbeiter. Damit bleibt dem Betrachter viel Platz für eigene Gedanken, sodass er die erzählten Geschichten vor dem geistigen Auge fortsetzen kann.

Thorsten Klapsch erzählt in „Atomkraft“ eine interessante und bisher völlig unbekannte Reise quer durch Deutschland – unter anderem von Gundremmingen und Neckarwestheim im Süden über Biblis und Würgassen sowie das Endlager Asse bis in den Norden nach Krümmel und Brunsbüttel. Neben den Fotos macht auch der Bildband an sich den Kauf für 65 Euro zu einer lohnenden Investition. So warten 175 Fotografien auf 320 Seiten im festen Einband, der mit den Seiten aus dem Inneren bündig abschließt. Das Buch wirkt dadurch wie aus einem Block geschnitten – technisch, akkurat und mit dem weißen Einband etwas steril. Der Buchrücken kommt ebenfalls nahezu weiß daher, als ob jemand vergessen hätte, den Buchtitel darauf zu drucken. Doch weit gefehlt: Das Fotobuch reizt die Energie der Natur aus und lässt den Schriftzug durch Tageslicht „aufladen“, sodass die neun Buchstaben von „ATOMKRTAFT“ in der Dunkelheit zu leuchten beginnen – großer Buchdruck für ein spannendes Fotoprojekt!

"Atomkraft" von Thorsten Klapsch
Badelustige genießen die Sonne an einem See in der Nähe des Atomkraftwerkes Biblis

"Atomkraft" von Thorsten Klapsch
Dosimeter in einem Atomkraftwerk

Impressionen vom Frankfurter Sparkassen Ironman European Championship 2012

15 Kilometer vor dem Ziel liegt der Belgier Marino Vanhoenacker auf dem ersten Platz beim Frankfurter Sparkassen Ironman 2012. Gegenüber seinem Verfolger hat er zu diesem Zeitpunkt einen Vorsprung von etwa drei Minuten.