Bildband „Atomkraft“ von Thorsten Klapsch

"Atomkraft" von Thorsten KlapschAn einem Badesee liegen Menschen entspannt und lassen sich auf ihren Bauch die Sonne scheinen – die Energie der Natur. Im Hintergrund ragt das Atomkraftwerk Biblis hervor – völlig unscheinbar und weit entfernt. Die Kernenergie ist auf dem Foto von Thorsten Klapsch dennoch nahe: Hochspannungsleitungen führen den erzeugten Strom vorbei an der Badesee-Szenerie. Mit diesem Foto eröffnet der Darmstädter Fotografen seinen neuen Bildband „Atomkraft“ und beginnt eine Reise in bisher stets verschlossene Gelände und Räumlichkeiten: nämlich in die Atomkraftwerke Deutschlands.
„Atomkraft“ ist nicht nur in dem Fotobuch von Klapsch präsent, sondern auch in der öffentlichen Wahrnehmung. Seit der Energiewende in Deutschland hätte der Fotograf nie die Genehmigungen für die Fotoarbeiten erhalten. Doch vor der Fukushima-Katastrophe im März 2011 ließen sich die Betreiber glücklicherweise dazu hinreißen, sonst wären diese eindrucksvollen Lichtbilder nie entstanden.

In seinem Buch führt Klapsch den Betrachter langsam von den „Atomkraftwerken im Einklang mit der Natur“ hin zu den Geländen und schließlich in das Innerste der gehüteten Geheimnisse. Auf den Betrachter warten nostalgische Innenarchitektur der Verwaltungsräumlichkeiten sowie hochmoderne Technik in den Schaltzentralen und Reaktorgebäuden. Distanziert und menschenleer zeigt Klapsch die deutschen Atomkraftwerke, wenngleich er auf persönliche Details nicht verzichtet: Er fotografierte unter anderem Kleiderspinte, das Mittagessen in einer Kantine und die persönlichen Dosimeter der Mitarbeiter. Damit bleibt dem Betrachter viel Platz für eigene Gedanken, sodass er die erzählten Geschichten vor dem geistigen Auge fortsetzen kann.

Thorsten Klapsch erzählt in „Atomkraft“ eine interessante und bisher völlig unbekannte Reise quer durch Deutschland – unter anderem von Gundremmingen und Neckarwestheim im Süden über Biblis und Würgassen sowie das Endlager Asse bis in den Norden nach Krümmel und Brunsbüttel. Neben den Fotos macht auch der Bildband an sich den Kauf für 65 Euro zu einer lohnenden Investition. So warten 175 Fotografien auf 320 Seiten im festen Einband, der mit den Seiten aus dem Inneren bündig abschließt. Das Buch wirkt dadurch wie aus einem Block geschnitten – technisch, akkurat und mit dem weißen Einband etwas steril. Der Buchrücken kommt ebenfalls nahezu weiß daher, als ob jemand vergessen hätte, den Buchtitel darauf zu drucken. Doch weit gefehlt: Das Fotobuch reizt die Energie der Natur aus und lässt den Schriftzug durch Tageslicht „aufladen“, sodass die neun Buchstaben von „ATOMKRTAFT“ in der Dunkelheit zu leuchten beginnen – großer Buchdruck für ein spannendes Fotoprojekt!

"Atomkraft" von Thorsten Klapsch
Badelustige genießen die Sonne an einem See in der Nähe des Atomkraftwerkes Biblis

"Atomkraft" von Thorsten Klapsch
Dosimeter in einem Atomkraftwerk

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